Endlich geht’s los, das lang ersehnte Auslandssemester! So lange habe ich mich darauf gefreut, die Tage gezählt und mich nach bestem Gewissen vorbereitet – und jetzt sehe ich mich trotzdem vor einem Haufen noch zu erledigender Arbeit und einem noch größeren Haufen neuer und teilweise gewöhnungsbedürftiger Eindrücke.

Lille ist eine sehr schöne Stadt. Nicht unbedingt da, wo ich wohne, aber wenn man sich nach ein paar Tagen endlich mal raus in die große Altstadt wagt, bekommt man wunderschöne Häuser und Gebäude zu sehen. Außerdem gibt es vieeeeele Cafés, Restaurants und mindestens ein riesiges Shoppingcenter: das Euralille. Das hat sich natürlich sofort als eine meiner Hauptanlaufstellen qualifiziert.

Aber mal von Anfang an. Ich wohne in Lille Ronchin, bin aber mit der Metro in weniger als 10 Minuten am Gare Lille Flandres und somit am Shoppingcenter und auch in der Altstadt.

Grand Place, Lille

Ich kam mit einem super vollen Auto hier an. Der Platz im Kofferraum wurde bis auf den letzten Millimeter ausgeschöpft. In der neuen Wohnung schnell alles ausgeladen und auf zum Fahrradgeschäft – ich brauchte ja ein Fahrrad für meinen Schulweg nach Villeneuve d’Ascq.

Das Fahrrad hatte ich mir im Internet schon ausgesucht, es also nur schnell live betrachtet, für gut befunden und mitgenommen. Und dann das große Problem: das Fahrrad passte nicht in den Kofferraum! Egal, wie wir es gedreht und gewendet haben – es war zu groß. Also blieb eigentlich nur eine Lösung: jemand musste das Fahrrad zur Wohnung fahren. Janis, der größte Fahrradliebhaber der Welt, hat sich natürlich sofort angeboten und sich nach kurzen Free-Wifi-Problemen mithilfe der App komoot auf den Weg zur Wohnung gemacht. Die ist übrigens echt empfehlenswert, wenn man in unbekannten Gegenden mit dem Fahrrad fahren möchte und funktioniert nach einmaligem Download der Strecke auch offline.

In den nächsten Tagen habe ich zwei wichtige Dinge über Frankreich gelernt:
1. Die Franzosen kommen zu spät. Immer. Und wenn du selbst zu spät kommst, interessiert das in der Regel auch keinen.
2. Papierkram. Egal, was du willst oder nicht willst: es gibt bestimmt ein nötiges Formular dafür. Wer sich über die deutsche Bürokratie beschwert, der soll mal schnell herkommen und versuchen, sich in Lille eine Metro-Monatskarte zu kaufen!

Metrokarte

Für diese Karte hier braucht man eine Kopie seines Personalausweises, ein Foto und einen offiziellen Wohnnachweis. Wenn man also, so wie ich, bei Freunden oder Bekannten untergekommen ist, braucht man zunächst eine Bestätigung von ihnen darüber und zusätzlich eine Kopie ihres Personalausweises sowie ein offizielles Dokument – sei es ihr Mietvertrag oder eine Stromrechnung, die aber auch nicht älter als 3 Monate sein darf. Gleiches gilt für die Eröffnung eines Bankkontos – da braucht man dann aber auch noch seinen Arbeitsvertrag. Bei der Bank macht das ja auch Sinn, geb ich zu. Aber für ein Metroticket? Naja. Wenn man diese Dokumente jedoch alle dabei hat, ist das Ganze gar kein Problem und innerhalb von 5 Minuten erledigt. Die Karte kostet auch nur 28 € pro Monat und muss zum Glück nur ein Mal in 5 Jahren gekauft werden. Aufladen kann man sie dann jeden Monat am Automaten. Und wir Assistenten bekommen den Preis sogar zur Hälfte zurück erstattet, wenn wir den Kassenbon bei der Akademie einreichen. Für 14 € im Monat so viel Metro, Bus und Bahn fahren, wie man will? Da kann man nichts sagen…

An Papierkram war das aber leider noch lange nicht alles. Man muss sich bei der Securité Sociale anmelden – sozusagen die französische Krankenkasse. Die wollen natürlich auch jede Menge Unterlagen von dir. Dann muss man sich bis zum 10. des Monats um sämtliche Dokumente bezüglich des Gehalts kümmern, da man sonst in dem Monat nicht bezahlt werden kann und das Geld erst einen Monat später sieht. Hier an Hinweis: macht euch von allem, was ihr habt, Kopien! Ich habe meinen Wohnnachweis und die Kopie des Persos des Jungen, bei dem ich wohne, bei der Bank abgegeben, weil ich mir dachte, dass ich es nicht mehr brauche. Pustekuchen. Die von der Securité Sociale wollen diesen Wohnnachweis auch und jetzt muss ich mir das alles nochmal ausfüllen und kopieren lassen. Also besser alles doppelt und dreifach dabei haben! :)

Aber jetzt mal zu den wirklich schönen Dingen. Die Menschen hier sind alle super hilfsbereit. Ich habe auch schon mehrmals Leute auf der Straße angesprochen und nach dem Weg gefragt und wurde dann einfach das Stück zu Fuß mitgenommen und neugierig über meine Herkunft ausgefragt. Am ersten Tag habe ich Leute in der Metro nach Erklärungen für das Ticket-System gefragt und auch da sehr viel Hilfe bekommen.

Vieux-Lille

Von Lilles Altstadt habe ich leider noch gar nicht so viel sehen können. Aber die paar Straßen, in denen ich schon war, sind wirklich unglaublich schön. Diese Altstadt ist mit so viel Liebe zum Detail versehen und im Moment auch voller Karnevals-Skulpturen, da hier zur Zeit ein kulturelles Event namens Lille3000 stattfindet – und ein Teil davon ist die Reihe „CARIOCAS!“, die eben den Lebensstil von Rio de Janeiro präsentiert.

Opéra, Lille

Bis jetzt geht’s mir sehr gut hier und mit jedem Tag lebe ich mich mehr ein und fühle mich wohler und sicherer. Ich freue mich sehr darauf, die Stadt und auch die ganze Region näher kennen zu lernen. Da der Papierkram nun auch größtenteils vom Tisch ist, kann’s ja jetzt richtig losgehen! Dienstag beginnt die Arbeit in meiner Schule :)

Bis bald, ihr Lieben – und wer mich besuchen will, ist herzlich willkommen! <3


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Von den ersten Eindrücken und einem Berg voll Papierkram
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Ein Gedanke zu „Von den ersten Eindrücken und einem Berg voll Papierkram

  • 23. Oktober 2015 um 19:39
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    Merci pour la promotion de la ville de mon coeur, la capitale des Cht’ti Mi!
    Didier, le papa de Corinne.

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